High Five zwischen einer hübschen Frau, die auf den Schultern eines jungen Mannes sitzt, und einem zweiten Mann bei der Umsetzung unserer Projekte

Was Einzelne für eine bessere Zukunft beitragen können (und was nicht)

Es stimmt, dass wir als Einzelne praktisch nichts ausrichten können. Und gleichzeitig stimmt es so gar nicht. Wie das geht? Du wirst sehen. 

Achtung, es folgt eine Streitschrift, vielleicht sogar ein Glaubensbekenntnis. Und wenn es dir gerade schlecht passt, lies es später! Denn wenn du es nicht zu Ende liest, ist es besser, du liest es gar nicht!


„Was mache ich allein schon für einen Unterschied?“ „Der Flieger fliegt ja auch ohne mich.“ „Wenn ich das Schnitzel nicht bestelle, ist das arme Schwein umsonst gestorben.“ Wir kennen die Argumente – egal, ob sie nun aus unserem Mund kommen, oder an unser Ohr. Schicken wir sie also mal durch die Hirnlappen!


Stimmt


Ob ich es nun hören kann oder nicht (ich kann es nicht) – es stimmt: Österreich ist verantwortlich für nicht mehr 0,2% des globalen CO2 Ausstoßes. Bei mir wären es dann also ganz grob ein Neunmillionstel von 0,2%. Das ist sozusagen die Homöopatisierung der Homöopathie, ein Bruchteil eines Mückendrecks – schlicht nichts. Die Weichenstellungen für große Veränderung werden wir im Mückendreck aber nicht finden. Die liegen bei Politik und Wirtschaft. Dort werden die sogenannten „strukturellen“ Maßnahmen angegangen, der Rahmen innerhalb dessen wir uns bewegen, die Spielregeln, die großen Hebel eben. Evtl Bild finden für Spielregeln ändern. Darum versuchen viele Aktivist:innen Druck auf eben dieser Ebene aufzubauen.


Wenn ich hingegen als Einzelner vegan esse und mein Auto stehen lasse, ist der Effekt eigentlich nur, dass ich vegan esse und mein Auto stehen lasse. Für mich ist das freilich ziemlich gesund, aber global ist und bleibt es nichts. Damit müssen mein Fahrrad und ich leben. So weit, so ernüchternd – klar. Aber du bist noch da, und das ist gut so. Denn es folgt nun das große…


… Aber:


Wir sind nicht allein! Das ist definitiv der Kern dessen, was ich mit diesen Zeilen loswerden möchte. Wir sind nicht allein, sollen es nicht sein und müssen anfangen, uns als Gemeinschaft zu denken.


Du magst nur ein Tropfen auf dem heißen Stein sein. Doch jeder noch so reißende Strom besteht letztlich genau daraus: Aus Tropfen. Wenn Einzelne nichts bedeuten, kannst du bei der nächsten Wahl zu Hause bleiben, den Blutspendedienst in den Ruhestand schicken und beim Konzert deiner Lieblingsband die Hände in die Hosentasche stecken, während andere klatschen. 


Aber was, wenn das alle tun? Dann wird es still. Wenn alle sagen, die Lage sei hoffnungslos, ganz genau dann ist sie es wohl! Wenn morgen aber alle aufstehen, um die Welt etwas besser zu machen, dann wird sie übermorgen schon nicht mehr die gleiche sein. 


Gerade beim Thema Klima ist so oft von Multiplikatoreffekten die Rede. Schmelzendes Polareis zum Beispiel: Die Erderhitzung lässt unsere weißen Polkappen schrumpfen. Die dunkle Meeresoberfläche wächst. Dunkle Oberflächen absorbieren Hitze aber leider, während helle sie reflektieren. Darum hat Mama empfohlen, im Sommer weiße Shirts zu tragen. Die Hitze nimmt also zu, das Eis schmilzt schneller, die dunkle Fläche wächst, die Hitze nimmt schneller zu…


Aber warum sollten wir nicht auch auf positive Multiplikatoreffekte hoffen? Wir können Menschen überzeugen, die wiederum Menschen überzeugen können. Deinem “ökologischen Handabdruck” tut das gut. Entgegen dem vertrauten “füßischen” Pendant, dem ökologischen Fußabdruck, der deine eigene, ganz individuelle CO2-Bilanz beschreibt, meint der Handabdruck deine Wirkung auf andere Menschen. Du magst vielleicht kein Social-Media-Sternchen sein, aber du bist Influencer:in, ob du willst oder nicht. Alles, was du tust, ist auch ein Statement, ein Akt der Kommunikation, ein Beitrag dazu, was wir als “normal” empfinden, als selbstverständlich, und was nicht. 


Was, wenn andere sich von dir inspirieren lassen? Vielleicht zu einem fleischlosen Mittagsmenü? Was, wenn es viele sind? (Link zu Ursachen des CO2 Abdruckes in Ö)? Das pflanzenbasierte Angebot wird attraktiver (was ja längst der Fall ist) und der Umstieg entsprechend leichter. Die Nachfrage steigt weiter und das Angebot wird noch attraktiver. Diesen Prozess nennt man Engelskreislauf und wir brauchen wohl beides: Schutzengel und intakte Kreisläufe.


Und so macht ein Wurstwaren-Hersteller wie die Rügenwalder Mühle plötzlich seinen Hauptumsatz mit Fleischersatzprodukten. Bei Elektroautos passiert gerade genau das gleiche (Faktencheck). Und irgendwann wird das Schnitzel vielleicht zur neuen Zigarette, die man ganz schnell versteckt, wenn man Ziel einer Kamera werden könnte. 


Wir sind sogar die Vielen!


Wenn wir uns beklagen, dass „die da oben“ aus Politik und Wirtschaft die Dinge endlich anpacken müssten, erschaffen wir damit eine Medaille mit zwei Seiten: Gegenüber von Politik und Wirtschaft stehen wir, die Konsument:innen und Wähler:innen. Aber wir, wir sind die Vielen. Politiker sagen, was WIR hören wollen, weil sie unsere Stimmen brauchen. Und Unternehmen produzieren gewiss das, was WIR ihnen abkaufen. Und du bist Teil von diesem WIR. Wir haben keine Demokratie, nein WIR SIND eine Demokratie! Das liegt in der Natur der Sache, die ja übersetzt schlicht “Volksherrschaft” bedeutet. Denn was wäre eine Volksherrschaft ohne uns – das Volk?


Ich glaube ganz fest, dass wir aufhören müssen, nur uns selbst zu sehen. Unser Fokus muss sich vom ICH zum WIR verlagern. Wir müssen uns als Gemeinschaft sehen, denken und fühlen. Und diese Gemeinschaft ist unglaublich mächtig. Menschen haben den Klimawandel zu verantworten. Menschen können ihn stoppen. Gemeinsam! Und wenn ich in den Spiegel schaue, erkenne ich relativ zweifelsfrei: Aufrechter Gang, Geheimratsecken, Handysucht, rasierte Achselhaare – ich bin wohl einer von denen. 


Ein Einzelner kann die Welt also nicht retten, nein. Ein Einzelner könnte sie aber auch nicht an den Abgrund führen. Wir sind Teil eines Ganzen. Wir brauchen eine Revolution, die genau diese Sichtweise in unseren Köpfen verankert und unseren Fokus auf das Ganze lenkt, damit wir aufs Ganze gehen können. Dabei brauchen Revolutionen gar keine Mehrheiten. Laut einer Studie von Erica Chenoweth, Politikwissenschaftlerin in Harvard, reicht ein Schwellenwert von 3,5 % der Bevölkerung aus, damit eine Bewegung Wirkung zeigt. Vorausgesetzt, sie ist gewaltfrei. Und Menschen, die etwas für ihre Kinder übrig haben, gibt es zum Glück einige.


Die Frage ist also: auf welcher Seite willst du stehen? Wenn die Menschheit gerade die Gräber ihrer Kinder aushebt: Hast du eine Schaufel in der Hand?


Zusammengefasst ist es das, was ich glaube:


Kannst du die Welt verändern? 

Kaum!

Können WIR die Welt verändern? 

Auf jeden Fall!


Wenn du unsere Ideen gut findest und mitwirken willst, oder aber neue Ideen hast, und mit uns gemeinsam etwas auf die Beine stellen willst: Melde dich. Wir sind bereit!

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